Und so lautet

Neuer Tag - 03. März 2008

Immenreuth

Pädagogen als Besserwisser: Theatergruppe "Kopfnuss" hinterfragt mit Singspiel im SOS-Kinderdorf theoretische Erziehungsansätze. von jzk

Immenreuth. (jzk) Ein mitreißendes Singspiel in zwei Akten bot die Theatergruppe "Kopfnuss" im SOS-Kinderdorf. Der Name hielt, was er verspricht: Unterhaltung auf hohem Niveau, geistreiche Dialoge, eine gehörige Prise Witz und Humor sowie originelle Songs, die Andreas Demleitner auf seiner Gitarre kunstvoll begleitete.

Die engagierte Theatergruppe besteht aus Mitarbeitern des St. Michaelswerks Grafenwöhr, des Förderzentrums Eschenbach, der Schulvorbereitenden Einrichtung Grafenwöhr und Schülern des Gymnasiums Eschenbach. Schon im vergangenen Herbst überraschte sie die Besucher mit einer sehr gelungenen Bearbeitung des Volksstücks "Der Brandner-Kaspar schaut ins Paradies".

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Großen Erfolg hatte die Theatergruppe „Kopfnuss“ mit ihrer hintergründigen Persiflage auf verschiedene Erziehungsmethoden so berühmter Pädagogen wie Maria Montessori (Carmen Traßl), Frederic Skinner (Gerhard Huber), Alexander Sutherland Neill (Josef Roder), Paul Watzlawick (Hans Graser) und Heinrich Pestalozzi (Andreas Demleitner, von links). Bild: jzk

In der Praxis nicht bewährt
„Und so lautet der Beschluss, dass der Mensch was werden muss“, lautete diesmal der Titel des Singspiels. Zu allen Zeiten hat das Thema "Erziehung" die Gemüter der Eltern und Lehrer tief bewegt. Es entstanden unterschiedliche Erziehungsstile und -ziele, die von den Pädagogen oft ohne die notwendige Toleranz anderen Ansätzen gegenüber vertreten wurden.

Diese Diskrepanz hat die Theatergruppe „Kopfnuss“ schonungslos aufgezeigt. Autorin Carmen Traßl wirft bei dieser pädagogischen Zeitreise viele Fragen über starre Theorien auf, die sich in der Praxis oft nicht bewährt haben.

Zu Beginn dieses Lehrstückes schlagen sich die Pädagogen Maria Montessori (Carmen Traßl), Frederic Skinner (Gerhard Huber), Alexander Sutherland Neill (Josef Roder), Heinrich Pestalozzi (Andreas Demleitner) und Paul Watzlawick (Hans Graser) mit langweiligen, aber pädagogisch sehr wertvollen Brettspielen die Zeit tot. Jeder beharrt eigensinnig auf seinen zu Lebzeiten gewonnenen Erkenntnissen, mit denen sie sich in die Erziehung von zwei Kindern einmischen.

Sie manipulieren heimtückisch ihre Entwicklung, experimentieren mit ihnen und beobachten neugierig die Resultate ihres verwerflichen Tuns. Zunächst geht alles gut, denn die Schulkinder lernen fleißig, machen ihr Abitur und beginnen ihr Lehrerstudium. „Lehrer sein und das Leben ist easy!“ ist eines der Lieder dieses Singspiels, das Julia Traßl und Marijan Würtele vortrugen. Als junge Lehrer kommen die beiden jedoch im heutigen Schulsystem schnell in Schwierigkeiten, zumal ihnen die völlig überdrehte Seminarleiterin (Monika Höllerl) nur äußerst skurrile Verhaltenregeln im Umgang mit ihren Schülern an die Hand geben kann.

„Lehrersein macht konfus“
Schließlich erkennen sie, dass es allein auf die Persönlichkeit ankommt, die vor einer Klasse steht. Ein aufgebrachter Vater (Manuel Roder) macht der Junglehrerin mit seiner unverschämten Beschwerde sehr zu schaffen. Bald reift die Erkenntnis, dass das Lehrerdasein eben nur in einem ausgeglichenen Zusammenspiel von Kopf, Herz und Hand funktioniert. Am Schluss steht die ernüchternde Erkenntnis: „Lehrersein macht uns konfus, irgendwann bleibt nur der Blues!“

Das szenische Singspiel von Carmen Traßl spielt sich auf einer zweigeteilten Bühne ab. Andreas Demleitner hat die Liedtexte musikalisch sehr abwechslungsreich arrangiert und begleitet sie virtuos auf seiner Gitarre. Leiter Alfred Schuster bedankte sich für die Spende zugunsten des SOS-Kinderdorfes.