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Pressebericht Inmitten – Dazwischen 2022

Spannendes Mysterienspiel mit dem Kopfnuss-Theater: Wilder Ritt durch ein Stück Heimatgeschichte

„Ein Ritt durch die G’schicht ist meine Pflicht“, sagt der Klostergeist. Inmitten & Dazwischen, so der Titel eines besonderen Schauspiels, fasziniert am Wochenende bei drei Aufführungen das Speinsharter Theaterpublikum.

von Robert Dotzauer

875 Jahre Speinshart – über die reiche Geschichte des Klosters und des Dorfes Speinshart lässt sich viel sinnieren. Geschichtsträchtig verdichtet das Speinsharter Kopfnuss-Theater existentielle Ereignisse seit der Gründung des Klosters zu einem lebendigen Mysterienspiel. „Eine Historie der trefflichsten Art soll Euch unterhalten“, verspricht Klostergeist Nicklein Merklin (Alexander Kasper). Und das tat sie.

Zum Beobachter verdammt aber bei epochalen Geschehnissen immer hellwach, öffnet der Klostergeist den vielen Besuchern, darunter Prior Pater Adrian Kugler und Bürgermeister Albert Nickl, den Blick auf die Gründerjahre der Abtei, auf Kreuzzüge, Tempelritter und Kaiser Barbarossa, auf päpstliche Schutzbriefe und auf die Launen und Steckenpferde von Klosteräbten, auf Reformator Martin Luther, den Dreißigjährigen Krieg, die Säkularisation und schließlich auf die Wiedergründung des Klosters und auf das neue Leben hinter Klostermauern.

Ablasshandel thematisiert

Die Rollenspiele handeln zum Beispiel von Kaiser Barbarossa und Papst Alexander III., von der segensreichen Tätigkeit des Abtes namens Ochs, aus Gunzendorf stammend, von den Auswirkungen der Reformation und Säkularisation, von den Geschehnissen im Dreißigjährigen Krieg und ganz besonders von Geschichten in Zeiten des Ablasshandels. „Nach all dem Blut und all dem Graus, sieht später vieles besser aus“, prophezeit danach Geist Nicklein. Für die Laienschauspieler deshalb ein Muss, nach der Thematisierung der marktschreierischen Ablassgeschäfte der Kirche die jüngste Klosterepoche zu beleuchten.

Eine Zeitreise, die der Klostergeist und mit ihm das Ensemble mit Einblendungen in das aktuelle Zeitgeschehen verbindet. Die Mission „Ad omne paratus – bereit zur guten Tat“ feiert Wiederauferstehung. Merklin, der Knappe wird getragen von der Suche auf Erlösung und der sich wiederholenden Mahnung: „Nicht dass ich Euch bekehre, zieht inmitten dazwischen Eure eigene Lehre“. Beseelt von diesem frech fabulierten Traum identifizieren sich die über 20 Akteure der Kopfnuss-Truppe um den Tausendsassa Carmen Traßl mit dieser Zeitgeschichte. Drehbuchautorin und Regisseurin zugleich, nähert sich die Vorsitzende des Theatervereins mit ihrer fast schon professionellen Schauspieltruppe geschichtsinteressiert und überzeugend den zeitgeschichtlichen Hintergründen.

Zuschauer sollen eigene Lehren ziehen

Die Intention, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen, wird zum roten Faden des Mysterienspiels. Ein engagiertes Unterfangen, das den „Kopfnüssen“, angereichert mit dramatischen Szenen, geistreich, witzig und nachdenklich, mit originellen Mundartfärbungen und Dialekten, perfekt gelingt. Angetan zeigt sich das Publikum auch vom kreativen Arrangement mit zum Teil mystisch wirkenden Licht- und Schattenspielen auf der Bühne, von den originalgetreuen Kostümierungen, von mittelalterlichen Tanzeinlagen, den temperamentvollen Singspielen und der historisch angemessenen musikalischen Begleitung.

„So weit heit – die Gschicht wiederholt sich – seid Ihr überhaupt ned gscheid?“ heißt schließlich die Aufforderung des Klostergeistes oder „Entscheide dich Mensch zur guten Tat – Ad omne paratus“. Verbunden mit dieser Botschaft erhält das Publikum eine besondere Ablassurkunde mit der Aufforderung zur Barmherzigkeit und Friedfertigkeit „jedwedem menschlichen Leben gegenüber und zur Bewahrung vor unüberlegtem Reden und Tun, gegen die Plage von Vorurteilen und gegen aufwieglerische Unruhestiftung“. Das Ensemble wird mit stehenden Ovationen des begeisterten Theaterpublikums und herzlichen Dankesworten belohnt.

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