Pressebericht Es ist Zeit Kasper

Der Neue Tag – 5. November 2007, Eschenbach

Eschenbach. Nicht die Vampire tanzen durch die Nacht, der Tod selbst in höchst schauriger Erscheinung singt klirrend sein Lied und schreitet unbeirrt auf den Brandner-Kasper zu. Die Ewigkeit fangt an heut‘ Nacht. . . – Oder doch nicht? Schließlich hat der Oberpfälzer Sturkopf ein paar Trümpfe in der Hand: einen Jägermeister und den Grasober. 
Mit Zynismus über Leben, Tod und Technik Theatergruppe „KOPFNUSS“ begeistert mit dem Stück
„ES IST ZEIT KASPER – RIEN NE VA PLUS“ – Volles Haus in Eschenbach

Von Renate Gradl
Die Premierenvorstellung von „Es ist Zeit Kasper – Rien ne va plus“ hatte die Theatergruppe „Kopfnuss“ sinnigerweise auf Halloween gelegt. Die Atmosphäre war äußerst stimmig. Aber das Thema „Leben und Tod“ ist schließlich immer gegenwärtig.
Genauso wie Freud und Leid sich die Klinke in die Hand geben, machten es auch die Zuschauer. Auch in der zweiten Vorstellung im Eschenbacher Förderzentrum gab es am Freitagabend ein volles Haus. Dem Großteil ist sicherlich die Fernsehfassung von Kurt Wilhelm aus dem Jahr 1975 bekannt.
Mit „Es ist Zeit Kasper – Rien ne va plus“ hat Carmen Traßl das Thema in die heutige Zeit transportiert. Der Tod kommt und möchte einen guten Job erledigen, nämlich die Seele des Brandner-Kaspers seiner Bestimmung zuführen. Gerhard Huber hat seinen Job als „Boanlkramer“ meisterhaft erledigt. Seine Mimik und seine Ausdruckskraft waren absolut profihaft. Und auch sein Gesang beeindruckte gleichermaßen.

Vielleicht eine Verwechslung 
Der Brandner-Kasper (Josef Roder) jammert derweil: „S‘ Leben laft no schneller dahi, wie d‘ Lindenstraße im Fernsehen.“ Jetzt im Herbst müsste er doch „Erdäpfl glaubn“ und aufs Oktoberfest nach München. „Vielleicht gibt’s nu an andern Brandner-Kasper in Sachsen-Anhalt?“, sinniert er. Und außerdem müsse er doch die Machenschaften des Bürgermeisters (Norbert Meinl) verhindern.
Aber auch Lucius (Tilman Humbser) hat so seine Probleme mit der Höllentherapie und dem globalen Backup. Erzengel Michael (Gerhard Egerer) zetert: „Ums Geld wird getanzt, wie ums Goldene Kalb.“ Und alle haben mit der modernen Technik, Computer und Internet zu kämpfen.
Natürlich gibt es auch ein Liebespaar. Marei (Julia Traßl) und Flori (Manuel Roder) gestehen nach den Klängen von „Something Stupid“: „Ich mag dich so“. Auch Lucius sang zum Robbie Williams-Hit „Feel“ seine Version: „Alles nur ein Spiel.“ Internet und Ebay bekamen mit „Radio Ga Ga“ ihr Fett ab. Und zur bevorstehenden Wahl meinte Bürgermeister Senftl: „Lieber Gott schenk mir Wähler.“ Petrus (Hans Graser) freut sich dagegen schon, wenn er etwas Süßes bekommt. Momentan seien seine „Celebrations“ der Hit und nicht mehr die deftige Kost.

Doppelter Einsatz 
Zum Schluss gibt’s doch noch ein Happy-End. Anders als in der Fernseh-Fassung wird Marei wieder gesund. Lang anhaltender Applaus belohnte die Schauspieler schließlich auch für die vielen Proben. Einige von ihnen hatten sogar Doppelrollen: Egerer spielte außer dem Erzengel Michael noch den Feuerwehrkommandanten. Franz Geigenberger war in der Rolle des Pfarrers und Himmelssängers zu sehen. „Die Weiber“ verkörperten Monika Höllerl als Tante Michelle sowie Martina Rieß alias Jaqueline. Die himmlischen Wesen von Cherubin und Serafin waren Toni Schmidt, Carmen Rettinger, Katja Schulte, Julia Traßl, Marijan Würtele, Alexander Kaspar und Andreas Huber.

Andreas Demleitner sorgte für die Musik und war für die Arrangements sowie für Toneffekte und für Gitarre zuständig. Weitere Musiker waren Raphael Steppert und Manuel Roder.